Irak

Flag|300 Der Irak ist ein Staat im Vorderen Orient, dessen Territorium weitgehend dem antiken Mesopotamien entspricht, der Region zwischen Euphrat und Tigris. Das moderne Staatsgebiet entstand nach dem Ersten Weltkrieg aus drei osmanischen Provinzen unter britischem Mandat und erhielt 1932 formale Unabhängigkeit als Königreich.

Die Grenzen des Irak wurden von den Kolonialmächten ohne Rücksicht auf ethnische und konfessionelle Strukturen gezogen. Das Land vereint seitdem eine arabisch-sunnitische Bevölkerungsmehrheit im Zentrum, eine arabisch-schiitische Mehrheit im Süden und eine kurdische Minderheit im Norden. Diese Heterogenität prägt die politische Geschichte des Landes bis heute.

Überblick

  • Hauptstadt: Bagdad
  • Einwohner: ca. 45 Millionen (2024)
  • Fläche: 438.317 km²
  • Große Städte: Bagdad, Basra, Mossul, Erbil, Kirkuk, Najaf, Karbala, Sulaimaniya
  • Sprache(n): Arabisch und Kurdisch (Amtssprachen)
  • Religionen: Islam (ca. 95%, davon 60-65% Schiiten, 32-37% Sunniten), Christentum und andere (ca. 5%)
  • Währung: Irakischer Dinar (IQD)

Historische Entwicklung

Nach der Unabhängigkeit 1932 regierte die haschemitische Monarchie unter britischem Einfluss. Die Monarchie endete 1958 durch einen Militärputsch, der eine Phase politischer Instabilität einleitete. 1968 übernahm die sozialistische Baath-Partei die Macht, die ab 1979 unter Saddam Hussein zunehmend autoritär und personalistisch regierte.

Saddams Herrschaft war geprägt von Kriegen und internationalen Konflikten. Der erste Golfkrieg gegen den Iran (1980-1988) forderte hunderttausende Opfer auf beiden Seiten. Die Invasion Kuwaits 1990 führte zur militärischen Intervention einer internationalen Koalition im zweiten Golfkrieg 1991. Danach folgten Jahre internationaler Sanktionen, die die Wirtschaft und Zivilbevölkerung schwer trafen.

2003 stürzten die USA und ihre Verbündeten das Regime Saddams im dritten Golfkrieg. Die anschließende Besatzung und der Versuch, eine demokratische Ordnung aufzubauen, mündeten in einen Bürgerkrieg zwischen sunnitischen und schiitischen Milizen. Ab 2014 kontrollierte die Terrororganisation Islamischer Staat zeitweise große Teile des Landes, bevor sie bis 2017 militärisch zurückgedrängt wurde.

Wirtschaft und Erdöl

Der Irak verfügt über die fünftgrößten nachgewiesenen Erdölreserven weltweit. Die systematische Erschließung begann in den 1920er Jahren durch die Iraq Petroleum Company (IPC), ein internationales Konsortium europäischer und amerikanischer Ölgesellschaften. Das Ölfeld bei Kirkuk im Norden und die Lagerstätten im Süden bei Basra bildeten die Grundlage der irakischen Ölindustrie.

Die IPC kontrollierte bis zur Verstaatlichung 1972 durch Saddam Hussein die gesamte Förderung und den Export. Die Ölindustrie macht heute über 90 Prozent der Staatseinnahmen aus, was den Irak extrem abhängig von Weltmarktpreisen macht. Die Infrastruktur wurde durch Kriege und Sanktionen wiederholt beschädigt und befindet sich in permanentem Wiederaufbau.

Politisches System

Nach 2003 etablierte sich formal ein parlamentarisches System mit konfessionellem Proporz. Die Regierungsbildung folgt informellen Quoten, wonach der Ministerpräsident Schiit, der Parlamentspräsident Sunnit und der Staatspräsident Kurde sein soll. Dieses System zementiert jedoch konfessionelle Identitäten und fördert Klientelismus.

Die Zentralregierung in Bagdad steht in permanentem Konflikt mit der kurdischen Autonomieregierung im Norden, insbesondere bezüglich der Kontrolle über Ölfelder in umstrittenen Gebieten wie Kirkuk. Der iranische Einfluss auf schiitische Parteien und Milizen ist erheblich und wird von sunnitischen und kurdischen Akteuren als Bedrohung wahrgenommen.

Verbindungen

Historischer Kontext

Ölindustrie

Regionale Konflikte

  • Iran – Nachbar und Gegner im ersten Golfkrieg (1980-1988), heute einflussreich über schiitische Milizen
  • Kuwait – Invasion 1990 und zweiter Golfkrieg 1991