Iran

Flag|300 Der Iran (bis 1935 international als Persien bekannt) ist eine Regionalmacht im Nahen Osten mit einer jahrtausendealten Geschichte. Die moderne Staatlichkeit wird oft auf die Wiedervereinigung unter den Safawiden (ab 1501) zurückgeführt, die den schiitischen Islam als Staatsreligion etablierten. Der Name "Iran" wurde 1935 offiziell für den internationalen Gebrauch eingeführt, um die nationale Identität zu betonen und die persische Kontinuität über verschiedene Dynastien hinweg zu unterstreichen.

Überblick

  • Hauptstadt: Teheran
  • Einwohner: ca. 89 Millionen (2024)
  • Fläche: 1.648.195 km²
  • Große Städte: Teheran, Maschhad, Isfahan, Täbris, Schiras, Karadsch, Ahvaz, Qom
  • Sprache(n): Persisch (Farsi) (Amtssprache), Aserbaidschanisch, Kurdisch, Arabisch
  • Religionen: Islam (ca. 99%, davon 90-95% Schiiten, 5-10% Sunniten), Christentum, Judentum, Zoroastrismus (ca. 1%)
  • Währung: Iranischer Rial (IRR)

Historische Entwicklung

Das Gebiet des heutigen Iran war Zentrum mehrerer Großreiche, darunter das Achämenidenreich und das Sassanidenreich. Die islamische Eroberung im 7. Jahrhundert beendete die zoroastrische Herrschaft, doch behielt die persische Kultur ihre Eigenständigkeit. Die Safawiden etablierten ab 1501 den Zwölferschiismus als Staatsreligion, was den Iran bis heute vom mehrheitlich sunnitischen Umfeld unterscheidet.

Im 19. Jahrhundert geriet das Land unter Druck der europäischen Kolonialmächte, insbesondere Russland und Großbritannien, die um Einfluss konkurrierten. Die konstitutionelle Revolution 1905-1911 versuchte, eine parlamentarische Monarchie zu etablieren, blieb jedoch durch ausländische Intervention und interne Machtkämpfe begrenzt. 1925 stürzte Reza Khan die Kadscharen-Dynastie und begründete die Pahlavi-Dynastie.

Pahlavi-Ära und Modernisierung

Die Pahlavi-Dynastie (1925-1979) prägte die moderne Geschichte des Iran fundamental. Reza Schah Pahlavi initiierte umfassende Modernisierungsreformen nach westlichem Vorbild, darunter Industrialisierung, Säkularisierung und Aufbau einer zentralisierten Bürokratie. Er führte 1935 die offizielle Umbenennung von Persien zu Iran durch, um die nationale Identität zu betonen.

Sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi übernahm 1941 den Thron und setzte die Modernisierungspolitik fort. Seine "Weiße Revolution" in den 1960er Jahren umfasste Landreformen, Frauenwahlrecht und Alphabetisierungskampagnen. Die autoritäre Herrschaft, die enge Bindung an westliche Mächte, insbesondere die Vereinigte Staaten von Amerika, und die ungleiche Verteilung des Ölreichtums führten jedoch zu wachsendem Widerstand aus religiösen und linken Kreisen.

Wirtschaft und Erdöl

Die Entdeckung von Öl im frühen 20. Jahrhundert veränderte die geopolitische Bedeutung des Landes. Die Anglo-Persian Oil Company (später Anglo-Iranian Oil Company, AIOC) erhielt 1901 eine weitreichende Konzession und dominierte die iranische Wirtschaft. Die Raffinerie in Abadan wurde zur größten der Welt und Symbol ausländischer Kontrolle über iranische Ressourcen.

Die iranische Regierung erhielt nur einen geringen Anteil der Öleinnahmen, während Großbritannien von den Profiten massiv profitierte. Diese Ungleichheit führte zu wachsendem Nationalismus. Premierminister Mohammad Mossadegh verstaatlichte 1951 die Ölindustrie und versetzte damit die AIOC und die britische Regierung in Alarmbereitschaft. Der darauf folgende internationale Boykott iranischen Öls stürzte das Land in eine Wirtschaftskrise.

Der Putsch von 1953 (Operation Ajax (1953)) durch CIA und MI6 beseitigte Mossadegh und stärkte die Macht des Schahs, der die Ölindustrie unter Beteiligung eines internationalen Konsortiums reorganisierte. Die Öleinnahmen flossen in die Modernisierungsprogramme, doch die Erinnerung an die ausländische Intervention prägte das politische Bewusstsein nachhaltig.

Revolution und Islamische Republik

Die Iranische Revolution 1979 beendete die Pahlavi-Dynastie und etablierte die Islamische Republik unter Ayatollah Khomeini. Die Revolution entstand aus einer breiten Koalition von religiösen Kräften, Nationalisten, Linken und Bazari-Händlern, die sich gegen die Autokratie des Schahs, soziale Ungleichheit und westliche Dominierung vereinten.

Nach der Revolution konsolidierte Khomeini die Macht durch Etablierung eines theokratischen Systems unter der Doktrin der Herrschaft des Rechtsgelehrten (Velayat-e Faqih). Politische Gegner wurden ausgeschaltet, und das Land isolierte sich international. Die Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft 1979-1981 besiegelte den Bruch mit den USA.

Der Iran-Irak-Krieg (1980-1988) festigte die revolutionäre Identität und stärkte die Macht der Revolutionsgarden. Der Konflikt forderte hunderttausende Opfer und hinterließ tiefe ökonomische und soziale Narben. Nach Khomeinis Tod 1989 versuchten Reformer wiederholt, das System zu liberalisieren, scheiterten jedoch am konservativen Establishment und der Repression durch Sicherheitsapparate.

Regionale Rolle und Außenpolitik

Seit der Revolution verfolgt der Iran eine Politik der regionalen Einflussnahme, die sich gegen die sunnitisch-arabische Hegemonie und westliche Präsenz im Nahen Osten richtet. Teheran unterstützt schiitische Milizen im Irak, die Hisbollah im Libanon, die Huthi-Rebellen im Jemen und die syrische Regierung. Diese Strategie wird von regionalen Rivalen wie Saudi-Arabien als Bedrohung wahrgenommen und verschärft die konfessionelle Polarisierung.

Das iranische Atomprogramm führte zu internationalen Sanktionen und diplomatischen Spannungen. Das Atomabkommen von 2015 (JCPOA) lockerte zeitweise die Sanktionen, doch der Ausstieg der USA 2018 und die erneute Verschärfung der Sanktionen verschlechterten die wirtschaftliche Lage erheblich. Die iranische Bevölkerung leidet unter Inflation, Arbeitslosigkeit und eingeschränkten Freiheiten.

Verbindungen

  • Persien – Historische Bezeichnung bis 1935
  • Teheran – Hauptstadt und politisches Zentrum
  • Abadan – Standort der einst größten Raffinerie der Welt
  • Mohammad Mossadegh – Premierminister, verstaatlichte Ölindustrie 1951
  • Anglo-Persian Oil Company – Frühe Konzession und Dominierung der Ölindustrie
  • OPEC – Gründungsmitglied 1960
  • Irak – Nachbarstaat und Gegner im ersten Golfkrieg (1980-1988)
  • Saudi-Arabien – Regionaler Rivale und Gegenpol in der sunnitisch-schiitischen Rivalität

Siehe auch: Operation Ajax – Recherche 2026-02-23