Saudi-Arabien
Überblick
- Fläche: ca. 2.149.690 km² (größtes Land der Arabischen Halbinsel)
- Hauptstadt: Riad
- Bevölkerung: ca. 32 Millionen (Stand 2020)
- Größere Städte: Dschidda, Mekka, Medina, Damman
- Amtssprache: Arabisch
- Religionen: Islam (Staatsreligion, wahhabitische Auslegung)
- Währung: Saudi-Riyal (SAR)
- Staatsgründung: 23. September 1932
Geografische Lage
Saudi-Arabien nimmt den größten Teil der Arabischen Halbinsel ein und erstreckt sich zwischen dem Roten Meer im Westen und dem Persischen Golf im Osten. Das Land grenzt an Jordanien, Irak und Kuwait im Norden, an Katar, die Vereinigte Arabische Emirate und Oman im Osten sowie an Jemen im Süden. Die Landschaft wird von ausgedehnten Wüstengebieten dominiert, darunter die Rub al-Chali im Süden, eine der größten zusammenhängenden Sandwüsten der Welt. Im Westen verläuft entlang des Roten Meeres das Hedschas-Gebirge, in dem sich die heiligen Städte Mekka und Medina befinden. Das Klima ist überwiegend heiß und trocken mit minimalen Niederschlägen, was die Landwirtschaft ohne künstliche Bewässerung nahezu unmöglich macht.
Staatsform und politisches System
Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie unter der Herrschaft der Saudi-Dynastie, die seit der Staatsgründung 1932 ununterbrochen regiert. Die Verfassung des Landes basiert auf dem Koran und der Scharia in ihrer wahhabitischen Auslegung, einer besonders konservativen Strömung des sunnitischen Islam. Die Grundordnung von 1992 kodifizierte den absolutistischen Charakter des Staates formell. Der König fungiert gleichzeitig als Staatsoberhaupt, Regierungschef und oberster Richter. Es existieren keine gewählten Parlamente oder politischen Parteien. Die Machtausübung liegt in den Händen der königlichen Familie, wobei wichtige Entscheidungen traditionell im Konsens mit führenden Familienmitgliedern und religiösen Autoritäten getroffen werden. Der Islam hanbalitischer Rechtsschule in der Ausprägung des Wahhabismus ist Staatsreligion, und die Scharia bildet die alleinige Rechtsgrundlage. Meinungsfreiheit ist nicht gewährleistet, und die Menschenrechtslage gilt nach internationalen Standards als problematisch. Unter dem seit 2017 faktisch regierenden Kronprinzen Mohammed bin Salman wurden vorsichtige gesellschaftliche Reformen eingeleitet, während gleichzeitig die politische Kontrolle verschärft wurde.
Wirtschaft und Ölexporte
Die saudi-arabische Wirtschaft basiert nahezu vollständig auf der Förderung und dem Export von Erdöl. Das Land verfügt über die zweitgrößten nachgewiesenen Ölreserven der Welt und ist einer der bedeutendsten Ölexporteure. Diese Ressourcen haben Saudi-Arabien zu einem der reichsten Länder gemacht, gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Das staatliche Ölunternehmen Saudi Aramco, hervorgegangen aus der amerikanischen ARAMCO, kontrolliert die Förderung und ist eines der wertvollsten Unternehmen weltweit. Der Ölreichtum ermöglicht es dem Staat, großzügige Sozialleistungen zu finanzieren und die Bevölkerung weitgehend von Steuern zu befreien, was zur innenpolitischen Stabilität beiträgt. Diese Wirtschaftsstruktur wird als Rentierökonomie bezeichnet, da die Staatseinnahmen primär aus der Ausbeutung natürlicher Ressourcen stammen und nicht aus produktiver Arbeit oder Steuern. Der Ölpreisverfall seit 2015 hat jedoch die Verwundbarkeit dieser Abhängigkeit offengelegt. Mit dem Reformprogramm "Vision 2030" strebt die Regierung eine Diversifizierung der Wirtschaft an, um die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Dieses Programm umfasst Investitionen in Tourismus, Technologie und Infrastruktur sowie die teilweise Privatisierung von Staatsunternehmen.
Historische Entwicklung
Die Geschichte Saudi-Arabiens als moderner Staat beginnt mit der Eroberungskampagne von Abd al-Aziz ibn Saud, der zwischen 1902 und 1932 verschiedene Regionen der Arabischen Halbinsel unter seine Kontrolle brachte. Nach der Einnahme von Riad 1902 eroberte er sukzessive das Königreich Nadschd und 1925 das Königreich Hedschas, das zuvor unter haschimitischer Herrschaft gestanden hatte. Am 23. September 1932 proklamierte er das Königreich Saudi-Arabien und vereinte damit erstmals große Teile der Arabischen Halbinsel unter einer zentralen Herrschaft. Die Entdeckung großer Erdölvorkommen in den 1930er Jahren durch amerikanische Geologen veränderte die wirtschaftliche und politische Bedeutung des Landes fundamental. Die Saudi-Arabien Konzession (1933) gewährte der amerikanischen Standard Oil of California weitreichende Explorationsrechte und führte zur Gründung der Arabian American Oil Company (ARAMCO). Der Ölboom nach dem Zweiten Weltkrieg transformierte Saudi-Arabien von einem armen Wüstenstaat zu einer der reichsten Nationen. Das Land spielte eine zentrale Rolle bei der Gründung der OPEC 1960 und nutzte seine Ölmacht als geopolitisches Instrument, besonders während der Ölkrisen der 1970er Jahre. Die Verstaatlichung von ARAMCO in den 1970er und 1980er Jahren übertrug die Kontrolle über die Ressourcen vollständig an den saudi-arabischen Staat. Nach dem Tod von Abd al-Aziz 1953 folgte eine Reihe seiner Söhne als Könige, wobei die Macht innerhalb der Saudi-Dynastie zirkulierte.
Religion und gesellschaftliche Ordnung
Die religiöse Identität Saudi-Arabiens ist eng mit dem Wahhabismus verbunden, einer puritanischen Reformbewegung des 18. Jahrhunderts, die von Muhammad ibn Abd al-Wahhab begründet wurde. Das Bündnis zwischen der wahhabitischen Geistlichkeit und der Saudi-Dynastie bildet seit dem 18. Jahrhundert die ideologische Grundlage der Herrschaft. Mekka und Medina, die beiden heiligsten Stätten des Islam, liegen auf saudi-arabischem Territorium, was dem Land eine besondere religiöse Legitimität in der islamischen Welt verleiht. Der König trägt den Titel "Hüter der beiden heiligen Stätten", was seine Rolle als Beschützer der muslimischen Heiligtümer unterstreicht. Die strikte Auslegung der Scharia prägt das gesellschaftliche Leben und die Rechtsordnung. Saudi-Arabien finanziert weltweit die Verbreitung wahhabitischer Auslegungen des Islam durch den Bau von Moscheen, Koranschulen und die Förderung islamistischer Bewegungen. Diese Missionstätigkeit hat zur globalen Ausbreitung fundamentalistischer Ideologien beigetragen. Die Gesellschaft ist stark konservativ geprägt, mit strikten Geschlechtertrennungen und eingeschränkten Rechten für Frauen, obwohl in den letzten Jahren unter Kronprinz Mohammed bin Salman vorsichtige Liberalisierungen wie das Fahrverbot für Frauen aufgehoben wurden.
Internationale Beziehungen
Saudi-Arabien ist ein zentraler Akteur im Nahen Osten und unterhält enge Beziehungen zu westlichen Staaten, insbesondere den Vereinigten Staaten. Die amerikanisch-saudi-arabische Partnerschaft, die mit der Ölkonzession von 1933 begann, entwickelte sich zu einer strategischen Allianz. Die USA garantieren die Sicherheit des Königreichs, während Saudi-Arabien eine stabile Ölversorgung und politische Unterstützung in der Region bietet. Das Land ist Gründungsmitglied der OPEC und nutzt diese Organisation zur Koordinierung der Ölproduktion und Preispolitik. Als sunnitische Führungsmacht steht Saudi-Arabien in scharfer regionaler Konkurrenz zum schiitischen Iran, was sich in diversen Stellvertreterkriegen manifestiert, etwa im Jemen, in Syrien und im Irak. Die Förderung wahhabitischer Ideologie hat das Land wiederholt in die Kritik gebracht, da Verbindungen zu extremistischen Gruppen wie al-Qaida und dem Islamischen Staat bestehen. Saudi-Arabien ist Mitglied der Arabischen Liga und spielt eine führende Rolle in panarabischen Angelegenheiten. Die Beziehungen zu Israel waren lange feindselig, haben sich jedoch in den letzten Jahren im Rahmen einer gemeinsamen Anti-Iran-Strategie informell verbessert.
Verbindungen
- Mekka – Heiligste Stadt des Islam, Geburtsort Mohammeds und Pilgerort
- Medina – Zweitheiligste Stadt des Islam, Grabstätte Mohammeds
- Hedschas – Westliche Region Saudi-Arabiens am Roten Meer, religiöses Zentrum mit Mekka und Medina
- Saudi-Arabien Konzession (1933) – Abkommen mit Standard Oil, markierte den Beginn der Ölförderung
- OPEC – Organisation erdölexportierender Länder, Saudi-Arabien ist Gründungsmitglied (1960)
- Arabische Halbinsel – Geografische Region, auf der Saudi-Arabien den größten Teil einnimmt
- Iran – Regionaler Rivale und geopolitischer Gegenspieler im Nahen Osten