Mark Sykes

Bild|300Sir Mark Sykes, 6. Baronet, war ein britischer Diplomat, Politiker und Nahost-Experte, dessen Name untrennbar mit dem Sykes-Picot-Abkommen (1916) von 1916 verbunden ist. Als Hauptarchitekt der britisch-französischen Geheimvereinbarung zur Aufteilung des Nahen Ostens prägte er die imperiale Nachkriegsordnung der Region. Sein früher Tod an der Spanischen Grippe 1919 verhinderte, dass er die langfristigen Konsequenzen seiner diplomatischen Arbeit erleben musste.

Sykes wurde 1879 in eine wohlhabende aristokratische Familie in Yorkshire geboren. Er studierte am Jesus College in Cambridge, brach das Studium jedoch ab und unternahm ausgedehnte Reisen durch das Osmanische Reich, insbesondere durch Anatolien, Syrien und Mesopotamien. Diese Reisen zwischen 1898 und 1906 verschafften ihm Kenntnisse über die ethnische, religiöse und politische Geografie der Region, die für spätere britische Nahost-Planungen wertvoll wurden. Er veröffentlichte mehrere Reiseberichte und etablierte sich als einer der wenigen britischen Politiker mit direkter Erfahrung im osmanischen Orient.

Als konservativer Abgeordneter im Unterhaus ab 1911 spezialisierte sich Sykes auf Nahostfragen und wurde während des Ersten Weltkriegs zum informellen Berater der Regierung für orientalische Angelegenheiten. 1915 beauftragte ihn das Kriegskabinett, mit dem französischen Diplomaten François Georges-Picot Verhandlungen über die Nachkriegsordnung im Nahen Osten zu führen. Zwischen November 1915 und Mai 1916 erarbeiteten Sykes und Picot das geheime Abkommen, das die arabischen Provinzen des Osmanischen Reichs in britische und französische Einflusssphären aufteilte. Das Abkommen ignorierte ethnische, religiöse und historische Zusammenhänge und zog willkürliche Grenzen, die bis heute Konflikte prägen.

Sykes war sich der Widersprüche britischer Nahostpolitik bewusst. Parallel zum Sykes-Picot-Abkommen hatten die Briten in der Hussein-McMahon-Korrespondenz (1915 - 1916) den Arabern ein unabhängiges Königreich versprochen und gleichzeitig in der Balfour-Deklaration (1917) 1917 eine jüdische Heimstatt in Palästina zugesichert. Diese drei unvereinbaren Verpflichtungen schufen ein diplomatisches Dilemma, das Sykes nach dem Krieg zu lösen versuchte. Er entwickelte eine Vision arabisch-jüdischer Zusammenarbeit unter britischer Schirmherrschaft, die jedoch unrealistisch blieb angesichts der widerstreitenden nationalen Aspirationen.

Nach dem Waffenstillstand 1918 begleitete Sykes die britische Delegation zur Pariser Friedenskonferenz. Er versuchte, die britischen Zusagen an Araber und Zionisten zu harmonisieren und ein pragmatisches Mandatssystem zu etablieren. Seine Bemühungen wurden jedoch durch seinen plötzlichen Tod am 16. Februar 1919 beendet, als er in Paris an der Spanischen Grippe starb. Er wurde nur 39 Jahre alt. Die Umsetzung des Mandatssystems ohne Sykes führte zu härteren imperialen Strukturen, als er möglicherweise vorgesehen hatte, obwohl sein Abkommen die konzeptuelle Grundlage für die künstliche Staatsbildung im Nahen Osten lieferte.

Verbindungen

Sykes-Picot-Abkommen

Widersprüchliche britische Politik

Imperiale Nachkriegsordnung

Britische Akteure

  • T.E. Lawrence – Kritiker der imperialen Politik, mit der Sykes vertraut war
  • Gertrude Bell – Kollegin in der britischen Nahostpolitik
  • Winston Churchill – Kolonialminister, setzte Sykes' Arbeit fort
  • Faisal I. – Arabischer Verbündeter, betroffen von Sykes' Politik

Geopolitischer Kontext