Winston Churchill

Bild|300Sir Winston Leonard Spencer Churchill (1874–1965) war ein britischer Staatsmann, Premierminister, Offizier und Autor. Als Erster Lord der Admiralität stellte er die Royal Navy von Kohle auf Öl um und sicherte dem britischen Staat die Mehrheit an der Anglo-Persian Oil Company. Als Kolonialminister nach dem Ersten Weltkrieg gestaltete er die politische Ordnung des Nahen Ostens mit. Er gilt als einer der bedeutendsten politischen Führer des 20. Jahrhunderts.

Frühe Jahre

Churchill wurde 1874 als Enkel des 7. Duke of Marlborough in eine aristokratische Familie geboren. Nach seiner Ausbildung in Sandhurst diente er als Offizier in Indien (1896–1897), im Sudan (1898) und in Südafrika während des Burenkriegs (1899–1900). Parallel arbeitete er als Kriegsberichterstatter. Seine Erfahrungen in den Kolonien prägten seine imperiale Weltanschauung und seinen literarischen Stil.

Erster Lord der Admiralität (1911–1915)

Im Oktober 1911 übernahm Churchill das Amt des Ersten Lords der Admiralität. Die zentrale Entscheidung seiner Amtszeit war die Umstellung der Royal Navy von Kohle auf Öl. Gemeinsam mit Admiral John Fisher, den er aus dem Ruhestand holte und zum Vorsitzenden einer Königlichen Kommission für Treibstoff machte, setzte Churchill den Bau der Queen-Elizabeth-Klasse durch, der ersten ausschließlich ölbefeuerten Schlachtschiffe der Welt.

Am 17. Juni 1914 brachte Churchill im Unterhaus die Vorlage ein, mit der die britische Regierung 2,2 Millionen Pfund in die Anglo-Persian Oil Company investierte und 51 Prozent der Aktien erwarb. Das Parlament stimmte mit 254 gegen 18 Stimmen zu. Es war eine Entscheidung, die Großbritanniens Energiepolitik und sein strategisches Interesse am Nahen Osten für das gesamte 20. Jahrhundert festlegte.

Die Gallipoli-Kampagne 1915, für die Churchill als Erster Lord die Verantwortung trug, endete in einem Desaster und erzwang seinen Rücktritt.

Kolonialminister und Nahost-Politik (1921–1922)

Als Kolonialminister nach dem Ersten Weltkrieg war Churchill mitverantwortlich für die Neuordnung des Nahen Ostens. Auf der Kairoer Konferenz (1921) legte er gemeinsam mit Beratern wie Gertrude Bell und T. E. Lawrence die Grundlinien fest: Faisal I. wurde König des Irak, Abdullah Emir von Transjordanien. Churchill unterstützte die Balfour-Deklaration und den Zionismus. Die Mandatsgebiete, die er mitformte, wurden zu den Staaten, deren Grenzen bis heute den Nahen Osten prägen.

Premierminister im Zweiten Weltkrieg

Im Mai 1940 wurde Churchill in der schwersten Krise Großbritanniens Premierminister. Er führte das Land durch den Zweiten Weltkrieg und verhandelte mit Franklin D. Roosevelt und Stalin die Nachkriegsordnung. Auch in diesem Krieg war Öl ein entscheidender strategischer Faktor. Die Raffinerie von Abadan blieb ein Pfeiler der alliierten Treibstoffversorgung.

1945 verlor Churchill die Wahl gegen Clement Attlee. Von 1951 bis 1955 war er erneut Premierminister. In seine zweite Amtszeit fiel die Operation Ajax (1953), der von CIA und MI6 organisierte Sturz von Mohammad Mossadegh im Iran, der das persische Öl verstaatlicht hatte. Churchill unterstützte den Coup aktiv, um die britischen Ölinteressen zu schützen.

Literarisches Werk

Churchill war ein produktiver Autor und erhielt 1953 den Nobelpreis für Literatur. Zu seinen wichtigsten Werken zählen The World Crisis (1923–1931) über den Ersten Weltkrieg, The Second World War (6 Bände, 1948–1953) und A History of the English-Speaking Peoples (4 Bände, 1956–1958).

Verbindungen

Öl und Marine

  • Anglo-Persian Oil Company – Churchill sicherte 1914 die staatliche Mehrheit
  • Royal Navy – Die Flotte, deren Umstellung auf Öl Churchill durchsetzte
  • Abadan – Raffinerie, die für beide Weltkriege strategisch entscheidend war

Naher Osten

Personen

  • Mark Sykes – Mitarchitekt der Nahostordnung im Ersten Weltkrieg

Übergeordnete Strukturen

Verwendung in Publikationen

Schwarzes Gold