D'Arcy-Konzession (1901)
Die D'Arcy-Konzession vom 28. Mai 1901 war die erste Ölkonzession im Nahen Osten. Der britische Geschäftsmann William Knox D'Arcy erhielt vom persischen Schah Mozaffar ad-Din Schah das exklusive Recht zur Erkundung und Förderung von Erdöl auf einem Gebiet von rund 1,2 Millionen Quadratkilometern – drei Viertel des persischen Territoriums.
Inhalt
Zustandekommen
Die Konzession wurde durch den armenisch-georgischen Vermittler Antoine Kitabgi angebahnt, der als ehemaliger Generaldirektor des persischen Zolls über enge Kontakte zum Schah verfügte. Kitabgi trat an D'Arcy heran, einen wohlhabenden Unternehmer, der sein Vermögen im australischen Goldbergbau gemacht hatte. Die britische Admiralität unter Lord Fisher unterstützte das Vorhaben im Hintergrund, da die Royal Navy zunehmend von Kohle auf Öl als Antrieb umstellen wollte.
Bedingungen
Die Konzession umfasste:
- Laufzeit: 60 Jahre (bis 1961)
- Gebiet: Das gesamte persische Territorium mit Ausnahme der fünf nördlichen Provinzen (diese blieben Russland als Einflusszone vorbehalten)
- Gegenleistung an Persien: 20.000 Pfund Sterling in bar, weitere 20.000 Pfund in Aktien sowie 16 % der jährlichen Nettogewinne
- Rechte: Exklusive Erkundung, Förderung, Transport und Verkauf von Erdöl und Erdgas
Schwierige Anfangsjahre
D'Arcy investierte über 500.000 Pfund in die Suche nach Öl, ohne zunächst fündig zu werden. Bis 1904 stand er vor dem finanziellen Ruin. Die Burmah Oil Company stieg als Partnerin ein und übernahm einen Teil der Kosten. Erst am 26. Mai 1908 – sieben Jahre nach der Konzessionserteilung – wurde bei Masjid-i-Suleiman der erste kommerzielle Ölfund im Nahen Osten gemacht.
Bedeutung
Die D'Arcy-Konzession legte den Grundstein für die gesamte nahöstliche Ölindustrie. Aus ihr ging 1909 die Anglo-Persian Oil Company hervor, die spätere British Petroleum (BP). Das Konzessionsmodell – langfristige Exklusivrechte gegen geringe Beteiligung des Gastlandes – wurde zum Vorbild für alle folgenden Ölkonzessionen in der Region und bestimmte die Machtverhältnisse zwischen westlichen Ölkonzernen und nahöstlichen Staaten für ein halbes Jahrhundert.
Die asymmetrischen Bedingungen (16 % Gewinnbeteiligung, keine Mitsprache, keine Einsicht in die Bücher) wurden zum Kern des späteren Konflikts um die Verstaatlichung unter Mossadegh. Die Konzession steht damit am Anfang einer Kette von Ereignissen, die über die Nationalisierungsbewegungen der 1950er Jahre bis zur Gründung der OPEC reicht.
Verbindungen
Akteure
- William Knox D'Arcy – Der britische Konzessionär und Initiator
- Persien – Der historische Staat, auf dessen Territorium die Konzession galt
- Iran – Der moderne Nachfolgestaat seit 1935
Folgen und Institutionen
- Anglo-Persian Oil Company – Die 1909 auf Basis der Konzession gegründete Gesellschaft
- Mohammad Mossadegh – Seine Nationalisierung 1951 beendete faktisch die Konzession
Systemischer Kontext
- Konzessionssystem – Das Ausbeutungsmodell, dessen Prototyp die D'Arcy-Konzession war
- Red-Line Agreement (1928) – Spätere Kartellabsprache zur Aufteilung der Konzessionsgebiete
- Saudi-Arabien Konzession (1933) – Amerikanisches Pendant, das ähnliche Muster etablierte
Widerstand und Überwindung
- Ressourcennationalismus – Die politische Gegenbewegung zur kolonialen Ölkontrolle
- OPEC – Produzentenländer-Kartell als Reaktion auf Konzessionssystem
Übergeordnete Strukturen
- MOC - Geschichte der Ölindustrie im Nahen Osten – Übergeordnete MOC