Ölfeld von Masjid-i-Suleiman (1908)

Am 26. Mai 1908 stieß ein Bohrteam unter der Leitung des Geologen George Reynolds bei Masjid-i-Suleiman in den Bergen Südwestpersiens auf Öl. Die Fontäne schoss über fünfzehn Meter hoch über den Bohrturm hinaus. Es war der erste kommerzielle Ölfund im gesamten Nahen Osten und der Beginn einer neuen geopolitischen Epoche.

Vorgeschichte

Die Suche nach Öl in Persien hatte 1901 mit der D'Arcy-Konzession (1901) begonnen. Der britische Unternehmer William Knox D'Arcy erhielt vom persischen Schah exklusive Schürfrechte für den größten Teil des Landes und finanzierte jahrelange Expeditionen in unwegsamem Gelände. Die Bedingungen waren extrem: Sommerhitze von über 50 Grad, feindliche Stammesmilizen und der ständige Mangel an Ausrüstung und Trinkwasser.

Nach mehreren gescheiterten Bohrversuchen in Chiah Surkh (nahe der heutigen irakischen Grenze) verlagerte Reynolds die Suche nach Süden in die Provinz Chuzestan. D'Arcy selbst war zu diesem Zeitpunkt finanziell am Ende. Nur die Beteiligung von Burmah Oil, einer schottischen Ölgesellschaft, rettete das Unternehmen vor dem Bankrott. Im Frühjahr 1908 schickte Burmah Oil ein Telegramm mit der Anweisung, die Bohrungen einzustellen und das Lager aufzulösen. Bevor die Nachricht Reynolds erreichte, bohrte sein Team weiter.

Der Fund

In der Nacht des 25. Mai 1908 schlief der britische Leutnant Arnold Wilson, der das Bohrlager bewachte, vor seinem Zelt auf dem Boden. Kurz nach vier Uhr morgens rissen ihn Rufe aus dem Schlaf. In rund 360 Metern Tiefe war das Bohrteam auf eine ölführende Schicht gestoßen. Eine Fontäne aus schwarzem Rohöl schoss unkontrolliert in den Himmel und überströmte die Arbeiter. Das begleitende Gas drohte sie zu ersticken.

Der Fund bestätigte, was Geologen seit Jahrzehnten vermutet hatten: Unter den Bergen Südwestpersiens lagerten gewaltige Ölvorkommen. Die Nachricht erreichte London und löste Begeisterung aus.

Folgen

Der Fund von Masjid-i-Suleiman hatte weitreichende Konsequenzen:

Gründung der APOC: 1909 wurde auf Basis der Konzession die Anglo-Persian Oil Company (APOC) gegründet, die zum mächtigsten Ölunternehmen im Nahen Osten wurde und der Vorläufer von BP ist.

Raffinerie Abadan: Ab 1912 errichtete die APOC in Abadan am Schatt al-Arab die damals größte Raffinerie der Welt, um das Rohöl von Masjid-i-Suleiman zu verarbeiten.

Britische Staatsbeteiligung: Winston Churchill überzeugte 1914 als Erster Lord der Admiralität die britische Regierung, eine Mehrheitsbeteiligung an der APOC zu erwerben, um die Umstellung der Royal Navy von Kohle auf Öl abzusichern. Der Fund von 1908 war die materielle Grundlage dieser strategischen Entscheidung.

Öl-Goldrausch: Die Entdeckung zog weitere Explorationen im gesamten Nahen Osten nach sich. Die Turkish Petroleum Company intensivierte ihre Bemühungen um die mesopotamischen Ölfelder, und Royal Dutch Shell begann, sich für die Region zu interessieren. Der Nahe Osten wurde zum Zentrum der globalen Ölförderung.

Verbindungen

Akteure

Folgen und Institutionen

  • Anglo-Persian Oil Company – 1909 auf Basis des Funds gegründet
  • BP – Heutiger Nachfolger der APOC
  • Abadan – Standort der Raffinerie für das Masjid-i-Suleiman-Öl
  • Royal Navy – Die Flotte, für die Churchill die Ölversorgung sicherte

Voraussetzungen

Weiterführende Entwicklungen

Übergeordnete Strukturen

Verwendung in Publikationen

Schwarzes Gold