CFP
Die Compagnie Française des Pétroles (CFP) wurde 1924 auf Initiative der französischen Regierung gegründet, um die französischen Ölinteressen im Nahen Osten zu bündeln. Sie hielt 23,75 % der Anteile an der Turkish Petroleum Company (später Iraq Petroleum Company) und war damit Frankreichs wichtigstes Instrument im internationalen Ölgeschäft. 1991 wurde sie in Total umbenannt, heute firmiert das Unternehmen als TotalEnergies.
Hintergrund
Frankreich verfügte im frühen 20. Jahrhundert über keine eigenen Ölquellen und war vollständig auf Importe angewiesen. Während des Ersten Weltkriegs hatte die Abhängigkeit von britischem und amerikanischem Öl die strategische Verwundbarkeit des Landes offengelegt. Premierminister Georges Clemenceau hatte 1917 an den US-Präsidenten appelliert, Frankreich mit Öl zu versorgen, und erklärt, dass Öl ebenso wichtig sei wie Blut.
Nach dem Krieg war die französische Regierung entschlossen, sich eigene Ölzugänge zu sichern. Die Gelegenheit bot sich durch die Neuordnung des Nahen Ostens: Bei der Konferenz von Sanremo (1920) handelte Frankreich den Transfer des ehemaligen deutschen Anteils (25 %) an der Turkish Petroleum Company aus. Dieser Anteil war zuvor von der Deutschen Bank gehalten worden und nach dem Krieg als Feindvermögen beschlagnahmt worden.
Gründung
Die CFP wurde 1924 gegründet, um den französischen TPC-Anteil zu verwalten. Die Struktur spiegelte den halbstaatlichen Charakter wider: Die französische Regierung hielt eine Sperrminorität von 35 % und behielt damit strategische Kontrolle. Die restlichen Anteile verteilten sich auf französische Banken und Industrieunternehmen. Der erste Vorsitzende war Ernest Mercier, ein Industrieller mit engen Verbindungen zur politischen Elite.
Anders als die privaten Ölkonzerne Anglo-Persian Oil Company, Royal Dutch Shell und Standard Oil war die CFP von Anfang an ein Instrument der französischen Staatsräson. Ihre Aufgabe war nicht nur die Gewinnmaximierung, sondern die Sicherung der nationalen Energieversorgung.
Rolle im IPC-Konsortium
Im Red-Line Agreement (1928) verpflichteten sich alle Partner der Iraq Petroleum Company, innerhalb des Gebiets des ehemaligen Osmanischen Reiches nur gemeinsam nach Öl zu suchen. Die CFP hielt 23,75 % der Anteile, gleichberechtigt mit der Anglo-Persian Oil Company, Royal Dutch Shell und der Near East Development Corporation (dem amerikanischen Konsortium). Calouste Gulbenkian hielt die verbleibenden 5 %.
Die CFP verteidigte das Red-Line Agreement hartnäckig, als Standard Oil of New Jersey und Standard Oil of New York nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten, eigenständig in Saudi-Arabien zu investieren. Zusammen mit Calouste Gulbenkian klagte die CFP gegen die Auflösung des Abkommens. Der Streit wurde erst 1948 beigelegt, als die amerikanischen Firmen eine Kompensation anboten und das Red-Line Agreement aufgehoben wurde.
Spätere Entwicklung
In den 1930er Jahren begann die CFP, über die IPC-Beteiligung hinaus eigene Explorationsaktivitäten aufzubauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg expandierte das Unternehmen in die französischen Kolonialgebiete Nordafrikas, insbesondere nach Algerien, wo 1956 große Ölvorkommen entdeckt wurden.
Die Gründung der OPEC 1960 und die Verstaatlichungswellen der 1970er Jahre veränderten die Rahmenbedingungen fundamental. Die IPC wurde 1972 vom Irak verstaatlicht, was die CFP ihres wichtigsten Förderzugangs im Nahen Osten beraubte. Das Unternehmen diversifizierte daraufhin in andere Regionen und wandelte sich zu einem integrierten Energiekonzern.
1991 wurde die CFP in Total umbenannt. Nach Fusionen mit Petrofina (1999) und Elf Aquitaine (2000) entstand TotalFinaElf, das sich 2003 in Total und 2021 in TotalEnergies umbenannte.
Verbindungen
Konsortiumspartner
- Anglo-Persian Oil Company – Britischer Partner in der IPC
- Royal Dutch Shell – Niederländisch-britischer Partner
- Near East Development Corporation – Amerikanisches Konsortium in der IPC
- Calouste Gulbenkian – "Mr. Five Percent" und Mitstreiter im Red-Line-Streit
Verwandte Unternehmen
- Turkish Petroleum Company – Vorgänger der IPC, in der Frankreich den deutschen Anteil erhielt
- Iraq Petroleum Company – Das Konsortium, an dem die CFP 23,75 % hielt
- Seven Sisters – Die Gruppe westlicher Ölkonzerne, zu der die CFP gehörte
Schlüsselereignisse
- Konferenz von Sanremo (1920) – Transfer des deutschen TPC-Anteils an Frankreich
- Red-Line Agreement (1928) – Selbstbeschränkungsabkommen aller IPC-Partner
- Saudi-Arabien Konzession (1933) – US-Expansion, die das Red-Line Agreement in Frage stellte
Geopolitischer Kontext
- Osmanisches Reich – Ehemaliger Staat, dessen Ölgebiete aufgeteilt wurden
- Irak – Mandatsgebiet und späterer Staat mit der IPC-Konzession
- Konzessionssystem – Das Ausbeutungsmodell, unter dem die CFP operierte
Weitere Informationen
Übergeordnete Strukturen
- MOC - Geschichte der Ölindustrie im Nahen Osten – Übergeordnete MOC