Cleveland - A History of the Modern Middle East

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A History of the Modern Middle East von William L. Cleveland und Martin Bunton ist das meistverwendete Lehrbuch zur Geschichte des modernen Nahen Ostens an englischsprachigen Universitäten. Die aktuelle siebte Auflage (2024, Routledge) deckt den Zeitraum vom Aufstieg des Islam bis zu den geopolitischen Verschiebungen nach 2011 ab. Das Buch verbindet politische Geschichte mit sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Perspektiven und legt besonderen Wert auf die innere Dynamik der nahöstlichen Gesellschaften.

Inhalt

Das Buch gliedert sich in sieben Teile, die chronologisch von der islamischen Frühzeit bis zur Gegenwart führen.

Teil 1: The Development of Islamic Civilisation to the Eighteenth Century legt die Grundlagen: die Entstehung des Islam, die klassische islamische Zivilisation und die Großreiche der frühen Neuzeit. Das Osmanische Reich und die Safawiden in Persien werden als die prägenden Staaten der Region bis zum 18. Jahrhundert dargestellt, ihre Verwaltungsstrukturen, religiösen Ordnungen und die Gründe für ihren späteren Niedergang analysiert.

Teil 2: The Beginnings of the Era of Transformation behandelt das 19. Jahrhundert als Zeitalter des Umbruchs. Die Tanzimat-Reformen im Osmanischen Reich, die Modernisierung Ägyptens unter Muhammad Ali und die iranischen Reformversuche unter den Kadscharen werden als "defensive Modernisierung" eingeordnet. Großbritannien besetzte 1882 Ägypten, Frankreich drang in Nordafrika vor. Die intellektuellen Reaktionen (islamischer Reformismus, Nahda) und die Verfassungsbewegungen gipfelten in der jungtürkischen Revolution von 1908 und der iranischen konstitutionellen Revolution. Der Teil endet mit dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der osmanischen Ordnung.

Teil 3: The Struggle for Independence analysiert die Zwischenkriegszeit. Die autoritäre Modernisierung in der Türkei unter Atatürk und im Iran unter Reza Schah wird der Mandatspolitik in den arabischen Ländern gegenübergestellt. Faisal I. wurde König des Irak, Saudi-Arabien entstand unter Abd al-Aziz ibn Saud durch Eroberung. Das Palästina-Mandat und die Entstehung des Staates Israel bilden ein eigenes Kapitel.

Teil 4: The Independent Middle East from the End of World War II to the 1970s widmet sich der Ära des arabischen Nationalismus. Gamal Abdel Nasser in Ägypten wurde zur Symbolfigur, die Radikalisierung der arabischen Politik führte zu Kriegen mit Israel. Mohammad Mossadegh verstaatlichte die iranische Ölindustrie, der Putsch von 1953 stellte den Schah wieder her.

Teil 5: The Resurgence of Islam behandelt die Iranische Revolution 1979, die veränderten Kriegs- und Friedensmuster in Ägypten und Libanon, die Erdölstaaten der Arabischen Halbinsel und die Konsolidierung autoritärer Herrschaft in Syrien und Irak unter Saddam Hussein.

Teil 6: Challenges to the Existing Order analysiert die palästinensische Intifada, den Golfkrieg 1991, die gescheiterten Friedensprozesse und die amerikanische Intervention im Nahen Osten nach dem 11. September 2001.

Teil 7: Revolution and Counter-Revolution beschließt das Buch mit den arabischen Aufständen von 2011 und der sich verändernden geopolitischen Landschaft, einschließlich des syrischen Bürgerkriegs, des Aufstiegs des IS und der regionalen Rivalität zwischen Saudi-Arabien und Iran.

Clevelands und Buntons zentrale These lautet, dass die Geschichte des modernen Nahen Ostens nicht als bloße Reaktion auf westliche Intervention verstanden werden kann. Die inneren Dynamiken der Region, von religiösen Reformbewegungen über Stammespolitik bis zu Ölökonomien, formten die Entwicklung ebenso stark wie äußere Kräfte. Die willkürlichen Grenzziehungen der Mandatszeit schufen Staaten, deren Legitimität von innen wie von außen permanent in Frage gestellt wurde.

Kapitelübersicht

Part One: The Development of Islamic Civilisation to the Eighteenth Century

1. The Rise and Expansion of Islam. Vom vorislamischen Arabien über das Leben Mohammeds bis zur Ausbreitung des Islam im 7. und 8. Jahrhundert. Die Entstehung des Kalifats, die Spaltung in Sunniten und Schiiten und die grundlegenden Institutionen der islamischen Gesellschaft.

2. The Development of Islamic Civilisation to the Fifteenth Century. Die klassische Blütezeit der islamischen Zivilisation: Abbasiden-Kalifat, Wissenschaft, Handel und die Kreuzzüge. Der Einfall der Mongolen und die Neuordnung der islamischen Welt im Spätmittelalter.

3. The Ottoman and Safavid Empires. Das Osmanische Reich und die Safawiden in Persien als die beiden prägenden Staaten der islamischen Welt ab dem 16. Jahrhundert. Ihre Verwaltung, das Millet-System, die Rivalität untereinander und die Gründe für ihre spätere Schwächung. Die Schießpulverreiche als analytische Kategorie.

Part Two: The Beginnings of the Era of Transformation

4. Forging a New Synthesis (1789–1849). Die Anfänge der Modernisierung nach dem Einmarsch Napoleons in Ägypten 1798. Muhammad Alis Reformen in Ägypten und Sultan Mahmud II.s Versuche, das Osmanische Reich zu reformieren. Der Beginn der europäischen Durchdringung.

5. The Ottoman Empire and Egypt During the Era of the Tanzimat. Die Tanzimat-Reformen (1839–1876) als Versuch, das Osmanische Reich zu modernisieren: Rechtsgleichheit, Bildungsreformen, neue Verwaltungsstrukturen. Parallel dazu die Entwicklung Ägyptens unter den Khediven, der Bau des Suezkanals und die wachsende Verschuldung.

6. Egypt and Iran in the Late Nineteenth Century. Die britische Besetzung Ägyptens 1882 unter Lord Cromer, der Zwischenfall von Dinschawai (1906) und die wachsenden Spannungen. Im Iran die schwache Herrschaft der Kadscharen, der Einfluss der schiitischen Ulama und die Vergabe der D'Arcy-Konzession (1901) an britische Ölinteressen.

7. The Response of Islamic Society. Die intellektuellen Reaktionen auf den europäischen Druck: islamischer Reformismus (Afghani, Abduh), die arabische Nahda-Bewegung und das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne.

8. The Era of the Young Turks and the Iranian Constitutionalists. Die jungtürkische Revolution von 1908 und die Wiedereinführung der Verfassung im Osmanischen Reich. Die iranische konstitutionelle Revolution (1905–1911). Abdülhamid II. und sein Widerstand gegen den Parlamentarismus. Die Jungtürken unter Enver Pascha, Talaat Pascha und Cemal Pascha.

9. World War I and the End of the Ottoman Order. Der Erste Weltkrieg aus nahöstlicher Perspektive: der osmanische Kriegseintritt, die Gallipoli-Kampagne, die Arabische Revolte (1916 - 1918), das Sykes-Picot-Abkommen (1916), die Hussein-McMahon-Korrespondenz (1915 - 1916) und das Ende des Osmanischen Reiches.

Part Three: The Struggle for Independence

10. Authoritarian Reform in Turkey and Iran. Die Gründung der Türkischen Republik unter Atatürk und die radikalen Säkularisierungsreformen. Im Iran die Machtübernahme durch Reza Schah Pahlavi und die autoritäre Modernisierung nach osmanischem Vorbild.

11. The Arab Struggle for Independence: Egypt, Iraq, and Transjordan. Die Mandatspolitik in Ägypten, Irak und Transjordanien. Faisal I. als König des Irak, Gertrude Bell als Beraterin beim Staatsaufbau. Die Kairoer Konferenz (1921) und Churchills Neuordnung der Mandate.

12. The Arab Struggle for Independence: Syria, Lebanon, and Saudi Arabia. Das französische Mandat über Syrien und Libanon, der Drusenaufstand 1925. Die Entstehung Saudi-Arabiens unter Abd al-Aziz ibn Saud durch militärische Eroberung und die Saudi-Arabien Konzession (1933) an amerikanische Ölgesellschaften.

13. The Palestine Mandate and the Birth of the State of Israel. Von der Balfour-Deklaration über die arabischen Aufstände der 1930er Jahre bis zur Staatsgründung Israels 1948. Die widersprüchlichen Versprechen der Mandatsmacht an Araber und Zionisten, Chaim Weizmann als Schlüsselfigur.

Part Four: The Independent Middle East from the End of World War II to the 1970s

14. Democracy and Authoritarianism: Turkey and Iran. Die Demokratisierung der Türkei unter Menderes und die Militärputsche. Im Iran die Verstaatlichung der Ölindustrie durch Mohammad Mossadegh 1951, der Putsch von 1953 und die Herrschaft Mohammad Reza Pahlavis.

15. The Middle East in the Age of Nasser: The Egyptian Base. Gamal Abdel Nassers Revolution 1952, die Verstaatlichung des Suezkanals 1956 und die Suez-Krise. Nassers panarabischer Nationalismus als dominierende Ideologie der Region.

16. The Middle East in the Age of Nasser: The Radicalisation of Arab Politics. Die Ausbreitung nasseristischer Ideen im Irak, Syrien und Jemen. Der Sechstagekrieg 1967 als Wendepunkt, der Nassers Vision diskreditierte.

17. Israel and the Palestinians from 1948 to the 1970s. Die arabisch-israelischen Kriege, die Entstehung der PLO und der Wandel des Konflikts von einem zwischenstaatlichen zu einem asymmetrischen Krieg.

Part Five: The Resurgence of Islam

18. The Iranian Revolution and the Revival of Islam. Die Islamische Revolution 1979 als Wendepunkt, der Iran-Irak-Krieg (1980–1988) und die Ausbreitung des politischen Islam als Alternative zum gescheiterten arabischen Nationalismus.

19. Changing Patterns of War and Peace: Egypt and Lebanon in the 1970s and 1980s. Sadats Friedensschluss mit Israel 1979, der libanesische Bürgerkrieg und die israelische Invasion 1982.

20. The Arabian Peninsula in the Petroleum Era. Die Transformation der Golfstaaten durch Ölreichtum, die Gründung der OPEC, die Ölkrise 1973 und die Entstehung der Rentenstaaten auf der Arabischen Halbinsel.

21. The Consolidation of Authoritarian Rule in Syria and Iraq. Die Baath-Regime in Syrien unter Assad und im Irak unter Saddam Hussein. Konfessionelle Politik, Repressionapparate und die Rolle des Öls.

Part Six: Challenges to the Existing Order

22. The Palestinian Intifada and the 1991 Gulf War. Die erste Intifada 1987, die irakische Invasion Kuwaits 1990 und der Golfkrieg 1991.

23. A Peace So Near, a Peace So Far. Die Osloer Verhandlungen, Camp David 2000, die zweite Intifada und das Scheitern des Friedensprozesses.

24. Patterns of Continuity and Change in Turkey, Iran, and Lebanon. Die politischen Entwicklungen in der Türkei, im Iran und im Libanon seit den 1990er Jahren.

25. America's Troubled Moment in the Middle East. Die amerikanische Nahostpolitik nach dem 11. September 2001, der Irak-Krieg 2003 und seine Folgen.

Part Seven: Revolution and Counter-Revolution

26. The 2011 Arab Uprisings and Their Aftermath. Die Aufstände in Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen und Syrien. Der Sturz Mubaraks, der Aufstieg und Fall der Muslimbruderschaft, der syrische Bürgerkrieg und der Aufstieg des Islamischen Staates.

27. A Shifting Geopolitical Landscape. Die Neuordnung der Region nach 2011: die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und Iran, russische und türkische Intervention in Syrien, die Normalisierungsabkommen zwischen arabischen Staaten und Israel.

Bedeutung

A History of the Modern Middle East ist seit seiner Erstveröffentlichung 1994 das Standardlehrbuch an englischsprachigen Universitäten. William L. Cleveland begründete das Werk, Martin Bunton übernahm ab der vierten Auflage (2008) als Co-Autor und führt es nach Clevelands Tod weiter. Im Vergleich zu Gelvin - The Modern Middle East, das stärker theoriegeleitet argumentiert, bietet Cleveland/Bunton einen breiteren, ereignisbasierten Überblick. Zusammen mit Gelvins Werk und Spezialdstudien wie Rogan - Der Untergang des Osmanischen Reichs und Barr - A Line in the Sand bildet es das Fundament der Vault-Quellen zur Nahostgeschichte.

Lesenotizen

Zusammenfassung - A History of the Modern Middle East

Verbindungen

Schlüsselfiguren

Unternehmen und Organisationen

Ereignisse

Konzepte

Verwandte Quellen

Übergeordnete Strukturen